Historische Landkarten und Grafiken

Die Firma buecher-antik ist seit über 15 Jahren Ihr Händler für historische Landkarten und alte Grafiken im günstigen Preissegment.
Entdecken Sie tausende Landkarten, Stadtpläne, Städteansichten, Lithografien, Stiche und handsignierte Originalgrafiken.
Begeben Sie sich auf eine faszinierende Entdeckungsreise durch die Welt- und Zeitgeschichte und gehen Sie bei einem Kauf keinerlei Risiko ein.
Geprüfter Webshop Siegel

Historische Landkarten zeigen Geschichte seit dem 16. Jahrhundert


Was wäre Geschichte ohne die historische Kartografie?


Die Geschichte der Atlaskartografie

Erinnern Sie sich noch an eine historische Karte aus Ihrer Schulzeit oder an den Weltatlas mit Landkarten von Deutschland, Europa und allen Kontinenten? Historische Landkarten gewähren Einblicke in vergangene Zeiten. Sie lassen uns eintauchen in ein früheres Jahrhundert. Dabei erzählt jede historische Karte ihre ganz eigene Geschichte. Auf diese Weise können wir die Entdeckung der Welt durch mutige Seefahrer miterleben oder politische Veränderungen in Deutschland wie Europa nachvollziehen. Zudem zeigen uns historische Landkarten durch ihre Zierelemente aus mythologischen Figuren und nautischen Gerätschaften ein Bild ihrer Zeit. Indirekt geben sie Auskunft über zeitgenössisches Kunstverständnis und den technischen Stand ihrer Epoche. Heutzutage wird wie selbstverständlich das Internet konsultiert, um Näheres über die geographische Lage einer Region zu erfahren. Möchten wir wissen, wie Europa aussieht oder welche Form Deutschland hat, rufen wir online entsprechende Informationen ab. Für jeden Bedarf gibt es die passende Karte, ob zum Wandern in Deutschland oder zum Motorradurlaub quer durch Europa. Aber woher stammt dieses - oftmals historische - Wissen? Wer waren die Kartografen, die begonnen haben, Landkarten anzufertigen?

Arabische Zonenweltkarte, um 1154. Handzeichnung von Mohammed Idrisi

Die Geschichte der Kartografie ist ein spannendes Kapitel, das vom klassischen Altertum bis heute seine Vielfältigkeit nicht verloren hat. Schon im antiken Griechenland beschäftigten sich Gelehrte mit Geografie. Sie berechneten Winkel anhand bekannter Sternbilder und legten historische Landkarten an. Allerdings war die faszinierende Welt der Kartografie lange einer reichen Elite vorbehalten. Breitere Kreise in Deutschland und Europa erhielten erstmals im 16. Jahrhundert mit der Entstehung gebundener Atlanten Einsicht in diese Kunst. Die Basis hierfür legten zwei berühmte niederländische Kartographen: Ortelius und Mercator. Ihre historische Bedeutung für die Kartographie ist immens. Sie legten die Basis, begannen historische Landkarten in Buchform zu binden und gaben der entstandenen Gattung ihren Namen: Der "Atlas" war geboren. Ihnen und anderen wegweisenden Kartografen ist es zu verdanken, wenn heute wertvolle historische Landkarten oder handgearbeitete Folianten einen Blick in die Geschichte des geografischen Wissens eröffnen.


Atlanten entstehen: Zur Geschichte der Kartografie


Ziel der Kartografie ist es, Daten über die Topographie einer Landschaft zu bündeln und nutzbar darzustellen. Wer in ein fernes Land aufbricht, unternimmt ohne Karte eine Fahrt ins Ungewisse. Entsprechend galten historische Landkarten als hoch geschätzte Hilfsmittel, stützten sie sich doch auf Berichte früherer Expeditionen, historische Erfahrungswerte oder Messungen.


Der in Deutschland übliche Begriff für ein Kartenwerk lässt sich auf den Titan Atlas aus der griechischen Mythologie zurückführen. Von Zeus für seinen Ungehorsam bestraft, trägt er, am Rand der Erde (griech. Gaia) stehend, das Himmelsgewölbe (Uranos) auf seinen Schultern.


Im Fachbereich Kartografie geht der Gebrauch des Begriffes auf Mercators Werk "Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" von 1595 zurück. Im Vorwort zu diesem Kompendium zeittypischer Landkarten bezieht sich Mercator auf eine Gestalt der Sagenwelt: den weisen König Atlas von Mauretanien, der sich historischen Schriften zufolge mit den Gestirnen und ihrer Kugelgestalt beschäftigt haben soll. Mercator hat einen wegweisenden Archetypus geschaffen, dem bis heute die gebräuchliche Definition von Atlas entspricht - als einem Buch, das verschiedenes Kartenmaterial enthält: historische, politische, landwirtschaftliche oder andere Landkarten.

Weltkarte um 1350, aus Higden Polychronicon. Handzeichnung von Ranulf Higden. Ca. 47,8 x 33,9 cm

Historische Landkarten von den Anfängen bis 1500


Schon früh begannen Gelehrte, die Erde zu vermessen, um sie in Landkarten beschreibbar zu machen. Bald diente eine Karte dank ihrer Einteilung in Einheiten der Orientierung. So wurde bereits im ersten Jahrhundert n. Chr. vom griechischen Geographen Marinos von Tyros eine Karte mit Gradnetzen zur geographischen Koordination angelegt.


Überliefert sind frühe Kenntnisse der Kartografie durch den griechischen Astronomen Claudius Ptolemaeus, der im zweiten Jahrhundert n. Chr. mehrere historische Landkarten der antiken Welt zur Sammlung "Geographike Hyphegesis" zusammenstellte. Auf seine Ausarbeitung eines Sternenkatalogs mit geozentrischem Weltbild, in dem die Erde als Fixpunkt das Zentrum der kreisenden Planeten bildet, referiert der Begriff "ptolemäisches Weltbild". Da bis zum Spätmittelalter kaum Fortschritte in der kartografischen Erfassung und Gestaltung von Landkarten gemacht wurden, besaß das Kartenwerk von Ptolemäus mehrere Jahrhunderte lang unbestrittene Aktualität. Noch im 15. Jahrhundert fertigte man infolge der Erfindung des Buchdrucks in Deutschland durch Johannes Gutenberg Reproduktionen an.


Weitreichende Bedeutung erlangte auch die "Katalanische Mapa Mondi" des mallorquinischen Kartografen Abraham Cresques. Die 1375 entworfene historische Weltkarte spiegelt besonders das Gebiet rund um das Mittelmeer detailreich wieder.

Katalanische Weltkarte in Modena, um 1450. Handzeichnung. Durchmesser ca. 113 cm

Historische Landkarten zwischen 1500 und 1600


In Europa beginnt das Jahrhundert der Seefahrer und Forschungsreisen. Vasco da Gama findet den Seeweg nach Indien um Südafrikas Kap der Guten Hoffnung, Magellan umsegelt die Welt. Die Entdeckung Amerikas durch Christoph Kolumbus schlägt ein neues Kapitel in der Erdvermessung und Kartografie auf. Am Anfang steht mit dem "Theatrum Orbis Terrarum" ein Atlas des flämischen Geographen Abraham Ortelius (1527-1598). Zu Ortelius' Lebzeiten war Antwerpen - neben Hamburg in Deutschland - eine der bedeutendsten Handelsstädte in Europa. Zahlreiche Kaufleute empfingen Waren aus aller Welt und verschifften Handelsgüter. Eine entscheidende Grundlage internationaler Handelsbeziehungen waren Landkarten. Sie hatten große historische Bedeutung für den Fern- sowie Überseehandel, boten sie doch eine gewisse Sicherheit abseits bekannter Regionen. Ortelius, dessen Familie ursprünglich aus Deutschland stammte, arbeitete zeitweise als Kolorist von Landkarten, bereiste Europa und sammelte historische Landkarten. Diese ließ er für sein späteres Opus in ein einheitliches Format umarbeiten.

Kreisförmige Weltkarte, um 1470. Aus Ptolemäus-Atlas. Handzeichnung

Die Geburt des gebundenen Kartenwerks - "Theatrum Orbis Terrarum" von Abraham Ortelius


Während bis dato lose Gebiets- oder Landkarten üblich waren, beginnt mit dem "Theatrum Orbis Terrarum" (Welttheater) die Zeitschreibung gebundener Atlanten. Angesichts des nicht zu unterschätzenden Faktors der Geheimhaltung ein mutiger Schritt. Da eine professionell gefertigte Karte weitreichende Auskünfte über das dargestellte Gebiet erteilt, birgt sie in falschen Händen erhebliche Gefahren. Landkarten sind von militärischem wie kaufmännischem Interesse. Jahrhundertelang war der Besitz aktueller Landkarten von entscheidender strategischer Bedeutung. Eignet sich der Weg für eine Handelsroute? Führt über diesen Gebirgszug ein Pfad in den Rücken des Gegners? Wer im Besitz der richtigen Karte war, hatte klare Vorteile - entsprechend wurden historische Landkarten oftmals an geheimen Orten versteckt. Wie revolutionär erscheint angesichts dieser Tatsache die Publikation des "Theatrum Orbis Terrarum"...


Im Mai 1570 mit Unterstützung des Bankiers und Reeders Gillis Hooftman in Antwerpen gedruckt, enthält der "Ortelius-Atlas" inhaltlich zusammenhängende historische Landkarten und bietet damit erstmals einen repräsentativen Gesamteindruck der bekannten Welt. Aus 70 gezielt für diesen Einsatzbereich aufeinander abgestimmten Landkarten zusammengesetzt, läutet der Foliant eine neue Epoche der Kartografie ein. Als langjähriger Sammler verfügte Ortelius über einen immensen Fundus lokaler wie globaler Landkarten. Die Zusammenstellung unabhängiger Landkarten führte zu internen Unterschieden, was sich in der Optik und Qualität dieses Ur-Atlases zeigte. Dadurch weist das Gesamtwerk noch die Heterogenität einzelner Stiche und Maßstäbe auf. Pro Karte war ein kurzer lateinischer Text als Einführung in das dargestellte Gebiet angefügt. Ergänzt mit Zeichnungen mythologischer Figuren und maritimen Materials eröffnete das Werk auch zeitgenössischen Gelehrten eine bis dato unbekannte Sichtweise, spiegelte es doch das Wissen der erfahrensten Geographen der historischen Gegenwart wieder. Da im 16. Jahrhundert Teile der Südhalbkugel noch unbekannt waren - Australien wurde erst im 17. Jahrhundert entdeckt, Amerika war nur punktuell erschlossen - liegt der Schwerpunkt von Ortelius' Werk auf Europa, maßgeblich den Gebieten um das heutige Deutschland, Frankreich, Italien, etc. (56 historische Landkarten). Die Darstellung von Asien und Afrika beschränkt sich überwiegend auf historische Darstellungen des Osmanischen Reichs.

Weltkarte Ptolemäus um 1482

Ein Archetypus ist geboren und die Niederlande schwingen sich zum frühen Mittelpunkt der Kartografie-Geschichte in Europa auf. Ortelius' Sammlung wertvoller Landkarten mit zahlreichen geographischen Details belegt eindrucksvoll die Möglichkeiten im 16. Jahrhundert. Zudem sind die vom berühmten Kupferstecher Frans Hogenberg (1535-1590) gefertigten Stiche von höchster Qualität und aus heutiger Sicht wichtige historische Belege damaliger Techniken. Auch das detaillierte Quellenverzeichnis der einzelnen Karten war wegweisend in einer Zeit, in der Raubdrucke üblich waren.


Im Laufe der folgenden Jahre überarbeitete Ortelius sein Werk mehrfach. Durch Erweiterungen wuchs es von ursprünglich 70 auf 167 historische Landkarten in der 1612 posthum erschienenen Auflage.

Oribis terrae compendiosa descriptio. Weltkarte. Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

Die historische Landkarte schreibt Geschichte - "Atlas, sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" von Gerhard Mercator


Ein Werk als Namensgeber einer ganzen Gattung: Allein diese Tatsache zeigt die epochale Wirkung des "Atlas" von Gerhard Mercator (geboren am 5. März 1512 in Rupelmonde, Flandern und gestorben am 2. Dezember 1594 in Duisburg, Deutschland). Basierend auf dem Werk des flandrischen Gelehrten dient die Bezeichnung Atlas seit dem 16. Jahrhundert als feststehender Begriff für jede Art gebundener Landkarten. Erst posthum verlegt, entwickelte sich der "Atlas, sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura" (Atlas, oder kosmografische Meditationen über die Schöpfung der Welt und die Form der Schöpfung) zum wegweisenden Erfolgswerk. Bis zu seinem Tod im Jahr 1594 arbeitete Mercator an diesem Projekt. In seinem Vorwort erläutert er die Wahl des Titels in Bezug auf den mauretanischen König Atlas, den ersten Astrologen. Gleichzeitig stellt Mercator unter Berufung auf einen Text von Diodor die Beziehung zur Atlas-Figur der griechischen Geschichte her: "Meine Bestimmung ist es also, es diesem Atlas nachzutun, (...) die Kosmografie zu betrachten, (...) um zu sehen, ob ich möglicherweise durch meinen Fleiß einige Wahrheiten in noch unbekannten Dingen finden kann (...)."

Polus arcticus. Nordpolargebiete. Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

Während einzelne Karten bereits veröffentlicht waren, als Mercator in seinem 83. Lebensjahr starb, erschien die erste vollständige Ausgabe mit Titelblatt rund ein Jahr später unter der Leitung seiner Söhne.


Ganz im Stile der Zeit konzipiert, besteht der Gattungs-Pate aus zwei Teilen. Ein erster Abschnitt (Kosmographie) enthält unter dem Titel 'Mundi Creatione et Fabrica Liber' Mercators theoretische Schriften zur Schöpfungsgeschichte. Im zweiten Teil folgt das eigentliche Kartenwerk, bestehend aus 107 Landkarten von Deutschland und Europa neben anderen Ländern und Kontinenten sowie detaillierten Regionalkarten. In späteren Ausgaben findet sich zudem eine vom Duisburger Ratsherrn Walter Ghim verfasste Biografie des Verfassers Gerard de Kremer (latinisiert: Gerardus Mercator).


Stellvertretend verbildlicht das berühmte Titelkupfer eine Weltkarte und den Anspruch des Opus. Schematisierte Symbole der bekannten Kontinente Europa, Asien, Amerika und des sagenhaften Südkontinents Magellanica umringen den Namensgeber. Mittig steht der historische Atlas, einen Himmelsglobus in Händen, während der Erdglobus vor ihm liegt. Links und rechts sind zeitgenössische Frauenfiguren zu sehen, unter den Schriftbannern 'Europa' und 'Asia'. Auf den Säulenkapitellen im Norden der "Karte" thronen ein stilisierter indianischer Bogenschütze über der Inschrift 'Mexicana' und ein Krieger über dem Schriftzug 'Africa', während mit Tüchern bekleidete Frauen, links 'Peruana' rechts 'Magalanica' den unteren Bildabschnitt - die Südhälfte - zieren.


Zu Beginn des Kartenteils zeigt die erste Karte eine historische Darstellung des Erdglobus "Orbis Terrae". In der nördlichen Hemisphäre findet sich Europa mit Deutschland in zentraler Lage. Noch unscharf umrissen werden die Bereiche der Südhalbkugel dargestellt: das von Magellan kurz zuvor umschiffte Kap Horn und Feuerland sowie der vermutete fünfte Kontinent "Terra Australis", das Land im Süden. Schiffe segeln auf den Weltmeeren und erzählen die Geschichte mutiger Entdecker.


Während Ortelius' "Theatrum" als Urform der gebundenen Sammlung von Landkarten gilt, rangiert das marginal jüngere Werk seines Landmannes Mercator in der Geschichte als Gattungs-Erstling. Ortelius hatte als Sammler primär die Arbeit des Verlegers übernommen: Er vereinigte historische Landkarten zu einem Druckwerk. Mercator gestaltete als Kartograf und Graveur einen homogenen, konsistenten Atlas. Dementsprechend liegt sein entscheidender Verdienst in der einheitlichen Optik, stimmigen Maßstäben und Koordinaten sowie einer durchgängigen Symbolik. Texte zu Ländern, ihren Bewohnern, ihrer Geschichte und interessanten Interna begleiten jede Karte. Sie basieren auf Reiseerlebnissen Mercators, Gelehrtenberichten, literarischen Zeugnissen und untermauern den Anspruch ihres Verfassers, Atlas in der Erforschung der Welt nachzustreben.


Später kaufte der Amsterdamer Verleger Jodocus Hondius (1563-1612) die verwendeten Kupferplatten. Er erweiterte das Jahrhundertwerk um 36 historische Landkarten. In den Folgejahren begründen zusätzliche Ausarbeitungen und diverse Übersetzungen Amsterdams Aufstieg zur Metropole der Kartografie. Mit dem 1607 ebenfalls von Hondius veröffentlichten "Atlas Minor" Mercators sind die Grundsteine für das so genannte 'Goldene Zeitalter' gelegt: die holländische Blütezeit der Kartografie.

Europa. Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

17. Jahrhundert: Blütezeit der Kartografie in Europa


Mercators Werk löste einen in der Geschichte der Kartografie einmaligen Aufschwung aus. Ein Atlas als Informationsmedium, das neben wissenschaftlichen Fakten auch künstlerische Elemente und historische Landkarten enthält, entsprach dem forschenden Zeitgeist. So entstanden im 17. Jahrhundert in Deutschland und Europa zahlreiche historische Atlanten. Beispielhaft hierfür ist die Arbeit eines der wichtigsten Verleger dieser Zeit, des in Amsterdam ansässigen Frederick de Wit (1630-1706). Er publiziert diverse Kartenwerke, ohne sie zu datieren oder mit aufwändigen Titeln zu versehen. Schlicht als "Atlas" gekennzeichnet, kamen sie auf den Markt und schrieben Geschichte. Enthielten doch gerade die älteren Ausgaben hochwertige historische Karten von Blaeu und dem Hondius-Kompagnon Janssonius. Bis heute bekannt ist etwa der historische Seeatlas "Orbis Maritimus ofte Zee-atlas".


Ebenso langfristige Wirkung zeigte der ursprünglich in elf Bänden aufgelegte "Atlas Maior" des niederländischen Kartografen und Kupferstechers Joan Blaeu (1598-1673). Das 1662 erschienene Hauptwerk des Kartografensohnes stellt einen vorläufigen Höhepunkt in der Kartografie-Geschichte dar und zählt zu den aufwändigsten Werken im 17. Jahrhundert. Weitere Ausgaben (9-12 Bände und rund 600 historische Landkarten) in verschiedenen Sprachen bedingen den internationalen Erfolg - und bilden die Basis des 50-bändigen Mammutwerkes "Atlas Blaeu-Van der Hem". Das über 2.000 historische Karten zählende Schmuckstück befindet sich heute in der österreichischen Nationalbibliothek in Wien.


Ebenso stammt eines der größten Werke der Kartografie in Deutschland aus dem Hause Blaeu: der 1664 herausgegebene "Rostocker Große Atlas". Mit einer Seitenhöhe von 167 Zentimetern ist das beinahe mannshohe Original aufgeschlagen stolze 204 Zentimeter breit und 120 Kilogramm schwer. Deckel aus Eichenholz mit Lederbeschlägen zieren das beeindruckende Buch.

Britannicae insulae: Anglia, Scota & Hibernia. Britische Inseln (England, Schottland und Irland). Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

Historische Landkarten auf dem Weg in die Moderne: das 18. Jahrhundert


Im folgenden Jahrhundert übernahmen französische Verleger die Vorreiterrolle im Bereich Kartografie und historische Landkarten. Dank neu entwickelter Techniken wie der Triangulation überzeugten deren Landkarten zunehmend durch Präzision, basierend auf damals modernsten Vermessungsdaten. Als Beispiel hierfür dient der 1699 vom französischen Kartenverleger und Kupferstecher Nicolas de Fer (1646-1720) in Paris herausgegebene "Atlas curieux ou le monde dressé". Er eignet sich für navigatorische Zwecke zuverlässiger als bisherige historische Landkarten, nicht zuletzt, da de Fer seine Daten vor Verwendung an der Académie des Sciences (Akademie der Wissenschaften) durch anerkannte Astronomen prüfen ließ.


Spannende Berichte von Entdeckungsreisenden, kombiniert mit den aktuellsten geodätischen Erkenntnissen, bereichern die Atlanten des Kartografen Jean-Baptiste Bourguignon d'Anville (1697-1782). Bei ihm erhalten historische Landkarten ihre Geschichte und reifen zu wertvollen Kulturgütern.


Bis heute berühmt ist mit Rigobert Bonne (1727-1794) ein weiterer Vertreter der französischen Kartografie: Die von ihm 1752 entwickelte, so genannte unecht-zylindrische Projektion einer Karte war durch ihre flächentreue Wiedergabe revolutionär. Beispielhaft hierfür steht seine einzigartige, herzförmige Projektion der Erde.


Im 18. Jahrhundert verlegte der Nürnberger Kartograf Johann Baptist Homann (1664-1724) in Deutschland große Atlanten und begründete einen Verlag, den später Erben um seinen Schüler Mattias Seutter (1678-1756) weiterführten. Neben dem 126 Landkarten zählenden Hauptwerk "Grosser Atlas über die ganze Welt" von 1716 entstand posthum der "Atlas geographicus maior" (1740) in drei Bänden.


Relativ spät erschienen renommierte Werke österreichischer Kartografen, wie etwa Schrämbls "Allgemeiner Grosser Atlas" (1786, Wien) sowie Franz Johann Joseph von Reillys unvollendeter, berühmter 'Schauplatz der fünf Theile der Welt' (1789, Wien - 830 historische Landkarten).

Borussia sive Prussia. Preußen. Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

Historische Landkarten in Perfektion: professionelle Gravierer (Stecher)


Die historische Bedeutung der Stecher reicht in Deutschland bis ins Mittelalter zurück. Sie transformieren die Welt in ein handliches Format, machen Ihre Umwelt lesbar und für breite Bevölkerungsschichten zugänglich. Topografische Gegebenheiten werden mit geografischen Kenntnissen angereichert, Deutschland, Europa, Kontinente, Gebirge, Täler, Seen, Flüsse, Wüsten, Wälder als Karte aufbereitet. Dabei bildet neben grafischer Exaktheit die Fähigkeit, vorhandene Räume für diejenigen Illustrationen zu nutzen, die gezielt die Informationswünsche des Betrachters bedienen, einen wichtigen Aspekt. Historische Gravierer arbeiten traditionell eigenständig im Auftrag unterschiedlicher Verleger und fertigen historische Landkarten für diverse Publizisten an. Als stolze Handwerker vermittelten sie ihren Söhnen Wissen sowie technische Fertigkeiten weiter.


Ursprünglich wurden die Stiche auf Kupfer hergestellt: Das weiche Metall war einfach zu bearbeiten und die Druckergebnisse überzeugten. Allerdings ließen sich via klassischem Kupferdruck lediglich einfarbige Landkarten erstellen, weshalb sie nachträglich von Hand koloriert werden mussten (Beruf des Kolorateurs). Später zogen besonders in England die Gravierer Stahlplatten vor. Parallel erfolgte im 19. Jahrhundert der Übergang zur Lithografie (Steindruck), die Ende des 18. Jahrhunderts in Deutschland von Alois Senefelder entwickelt worden war. Sie brachte eine größere Variabilität in der Darstellung mit sich, zudem ermöglichten neu entwickelte Maschinen gezielten Farbdruck.


Saltzburg Archipiscopatus. Erzbistum Salzburg. Mercator Atlas 1595 (Atlas sive Cosmographicae Meditationes de Fabrica Mundi et Fabricati Figura)

Historische Karten als Zeugen der Geschichte


Bis zum Übergang vom 18. ins 19. Jahrhundert wurde eine Karte nicht nur als wissenschaftliches Erzeugnis, sondern auch als eine Art Gemälde betrachtet. In ihr vereinen sich Kunstfertigkeit und präzises Handwerk. Geodätische Daten treffen auf Zierelemente, Tier- und Menschenbilder, technische Gerätschaften und zeitgenössische Schriftsetzungen. Entsprechend beeindruckend zeigen sich historische Landkarten aus einem frühen Jahrhundert dem heutigen Betrachter: Weit mehr als eine bloße Karte vermitteln sie einen lebendigen - und bleibenden - Eindruck gelebter Geschichte.


Mit dem beginnenden 19. Jahrhundert entstanden erste topografische Landesaufnahmen. Eine Karte konnte nun mehrfarbig gedruckt werden, was die nachträgliche Kolorierung - wie bis dato für historische Landkarten üblich - erübrigte. Kreative Abbildungen und Zierleisten wichen zunehmend wissenschaftlicher Exaktheit.


Wieder begann ein neues Kapitel im Bereich historische Kartografie.

Sie interessiert auch diese weitere Entwicklung alter Karten von 1800 bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts?

Dann hier anklicken und alles zu diesem Kapitel erfahren.

Homepage-Sicherheit